<< Nun, da ich all die Zeit für mich hatte, die ich mir immer gewünscht hatte, fühlte ich mich paradoxerweise verlorener denn je. >>

 

Autorin Kristina Günak
Deutsche Erstausgabe 2024
Herausgeber  Lübbe Verlag
Seiten  341
Genre  Roman; Zeitgenössische Literatur

 

Hat mich total abgeholt

Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben von Kristina Günak ist der erste Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. Es war ein absolutes Wohlfühlbuch mit vielen zeitgenössischen Themen und einem wunderbar leichten Schreibstil – mir hat es sehr gut gefallen.

Essenz in drei Sätzen

Ella Mohnbaum, eine preisgekrönte Journalistin, ist vom Überfluss und Stress ihres Lebens erschöpft und beschließt, für ein Jahr auf Konsum zu verzichten und in ein Tiny House auf einem idyllischen Biohof zu ziehen. Dort will sie nicht nur eine Reportage über Minimalismus schreiben, sondern findet sich inmitten der Natur und einer skeptischen Gemeinschaft erstmals mit sich selbst konfrontiert. Unerwartet entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit ihrem zunächst abweisenden Nachbarn Jakob, die ihr Leben und ihre Prioritäten grundlegend verändert.

Idylle vs. Eintönigkeit

Von 100 auf 0 – eine radikale Entschleunigung, die erst einmal bewältigt werden muss. Genau das zeigt sich gleich zu Beginn der Geschichte. Das Leben auf einem Bauernhof mit angrenzender Tiny-House-Siedlung klingt zunächst idyllisch, doch auch das Abschalten und die Begegnung mit der Stille wollen gelernt sein. Gemeinsam begleiten wir Ella auf ihrem Weg zu mehr Achtsamkeit und Selbstfindung.

Nun, da ich all die Zeit für mich hatte, die ich mir immer gewünscht hatte, fühlte ich mich paradoxerweise verlorener denn je.

– und ganz nebenbei: Das Konzept Tiny House finde ich persönlich unglaublich spannend und könnte mir gut vorstellen, selbst einmal in einem zu leben.

Pastell vs. Patina

Das Cover? Erst dachte ich: Rosa – eher nicht so meins. Aber die Wildblumen im Aquarellstil haben mich dann überzeugt, dieses Buch zu kaufen. Der Schreibstil von Kristina Günak ist angenehm leicht und flüssig, sodass man direkt drin ist. Die Figuren wirken echt und nahbar, keine Klischees, sondern Menschen mit Ecken und Kanten – sehr sympathisch. Und ein paar Geheimnisse, die es zu lüften gilt, gab es auch.

Besonders begeistert hat mich, wie viele Themen in der Geschichte stecken, die mich selbst bewegen: ökologische Landwirtschaft, Vegetarismus, das Leben im Einklang mit der Natur und Tierschutz – sogar Auslandstierschutz. All das macht die Geschichte nicht nur unterhaltsam, sondern auch relevant und unterstreicht meine Erstüberschrift: Ich habe mich total abgeholt gefühlt von dieser Story.

Hightech vs. Heugabel

Das Buch zeichnet ein lebendiges Bild davon, wie sich zwei Welten begegnen: der schnelle Puls des modernen Kulturgeists und die tief verwurzelte Weisheit vergangener Generationen. Was anfangs wie ein Zusammenstoß wirkt, entpuppt sich als vorsichtiger Dialog, aus dem eine neue Harmonie entstehen kann. Warum nicht eine Brücke schlagen – das Fundament aus bewährter Erfahrung mit den Möglichkeiten der Digitalisierung, die frische Wege und praktische Lösungen eröffnet?

Kristina Günak bringt hier eine lebhafte Mischung an Figuren ins Spiel, deren Entwicklung in dieser Konstellation spannend zu beobachten ist.

Außenwelt vs. Innenwelt

Die Geschichte macht deutlich, wie wichtig Freundschaft und Familie als Stützen im Leben sind. Doch sie zeigt ebenso, dass echte Zufriedenheit erst entsteht, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Dieses Zusammenspiel – Nähe zu anderen und innere Balance – ist die zentrale Botschaft, die das Buch (meiner Meinung nach) vermittelt.

Eberesche

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