<< Beiden war das Herz herausgerissen worden, und der Wagen schwamm geradezu in ihrem Blut. Vielleicht der traurigste Anblick aber waren ihre Hände, die im roten Heu lagen, noch immer ineinander verschlungen. >>

 

Autor Cameron Sullivan
Deutsche Erstausgabe 2026
Herausgeber  FISCHER Tor Verlag
Seiten  576
Genre  Dark Fantasy, Mythen, Bestien

 

Die Dark-Fantasy-Sensation des Jahres (?)

Ausnahmsweise handelt es sich hier einmal nicht um ein Rezensionsexemplar, sondern um ein Buch, das schon seit Monaten ganz bewusst auf meiner Einkaufsliste stand: The Red Winter von Cameron Sullivan. Beworben mit Attributen wie „poetisch, blutig, romantisch“ konnte ich nicht widerstehen – und bin der Geschichte nun selbst auf den Grund gegangen. 😉

Essenz in drei Sätzen

Der geheimnisvolle Monsterjäger Sebastian Grave reist in die französische Provinz Gévaudan, um eine grausame Bestie zu jagen. Gemeinsam mit dem Dämon Sarmodel und dem jungen Adligen Antoine stellt er sich der gefährlichen Aufgabe. Doch schon bald erkennen sie, dass die Bestie schwer zu fassen ist – und längst nicht das einzige Monster, das Frankreich heimsucht. 

Fantastisches Design

Dieses Cover: Da schlägt mein illustrationsliebendes Herz sofort höher. Der Stil ist mir auf Anhieb ins Auge gefallen, und ich gestehe, dass die grafische und typografische Gestaltung der Hauptgrund war, dieses Buch auf meine „Haben-wollen“-Liste zu setzen. Ein hirschartiges Wesen mit wolfsähnlicher Schnauze und roten Augen – surreal, geheimnisvoll und in einem malerischen Dark-Folklore-Stil gehalten. Ich liebe es!

Starke Sprache

Der Schreibstil von Autor Cameron Sullivan, der laut eigenen Angaben etwa ein Viertel seines Lebens mit der Arbeit an diesem Debütroman verbracht hat, ist bemerkenswert wortgewandt und zeugt von einem ausgeprägten schriftstellerischen Können. Das entschädigt, wie ich zugeben muss, für den stellenweise etwas flachen Spannungsbogen.

Plot und Setting hätten für meinen Geschmack ein episches Ende verdient – dieses Potenzial bleibt jedoch etwas ungenutzt. Gewöhnungsbedürftig sind zudem die Fußnoten, die mich zu Beginn immer wieder aus dem Lesefluss gerissen haben.

Besonders spannend fand ich natürlich die zeitliche Einbindung der Geschichte, die im 18. Jahrhundert angesiedelt ist und unter anderem eine (leicht verzerrte😉 ) Version von Jeanne d’Arc sowie die Entstehung der Französischen Revolution aufgreift.

Von Sukkubus bis Waldnymphe

Nichtsdestotrotz hat mir das Lesen viel Freude bereitet. Unzählige fantastische Wesen und ein interessanter Hauptcharakter, der mit innerer Stärke und Weisheit überzeugt und sich dennoch sehr oft von seinen Gefühlen (fehl-)leiten lässt – in diesem Fall von jenen für Antoine d’Ocerne.

Die Dialoge und Szenenbeschreibungen sind nicht nur, wie zunächst vermutet, blutig und düster, sondern mitunter auch wirklich amüsant.

Und auch wenn sich der rote Faden das ein oder andere Mal etwas zu sehr verliert, kann ich dieses Buch dennoch empfehlen und bin schon gespannt auf Folgebände, die im Nachwort vom Autor bereits angeteasert wurden. 

Schafgarbe

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