<<1950, was meinst du, was da los war. Ein schwarzer Mann und eine Weiße, das war in den USA gesetzlich verboten. >>

 

Autorin Susanne Abel
Deutsche Erstausgabe 2021
Herausgeber  dtv Verlag
Seiten  560
Genre  Historischer Roman, Familienroman

 

Wirklich gut!

Und das sage ich mit voller Inbrunst. Dieser Debütroman hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Figuren und das flüssige Ineinandergreifen von Geschichte; der von damals und der von heute. Ein sehr gefühlvolles und aufreibendes Buch mit einer wichtigen Message.

Essenz in drei Sätzen

Stay away from Gretchen von Susanne Abel erzählt die Geschichte von Greta, die in den Nachkriegsjahren eine verbotene Liebe zu einem afroamerikanischen GI erlebt und deren Geheimnis Jahrzehnte später durch ihren Sohn Tom ans Licht kommt. Während Tom als erfolgreicher Moderator selbst in einer Lebenskrise steckt, entdeckt er die tragischen und mutigen Entscheidungen seiner Mutter, die von gesellschaftlichen Vorurteilen und persönlichen Opfern geprägt waren. Der Roman verwebt Familiengeschichte, deutsche Nachkriegsgeschichte und die Frage nach Identität und Schuld zu einer bewegenden Erzählung.

Greta - zähe Löwin

Die 13-jährige Greta muss im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Familie aus Ostpreußen fliehen. Bei eisigen Temperaturen von minus 40 Grad machen sie sich auf den gefährlichen Weg, angewiesen auf die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit ihrer Mitmenschen, auf die sie leider nicht immer zählen können. Hunger, Angst und die ständige Bedrohung durch Kriegsgeschehnisse begleiten sie, während Greta früh lernt, Verantwortung zu übernehmen und sich in einer Welt voller Entbehrungen durchzuschlagen.

Tom - einsamer Wolf

Tom ist Gretas Sohn und ein angesagter TV-Moderator, der viel auf sich hält. Und doch scheint er noch nicht angekommen zu sein, er wirkt nicht glücklich mit seinem Leben, das von Stress und dann auch noch von der Sorge um seine an Demenz erkrankte Mutter dominiert wird. 

Was war denn wirklich gut?

Zum einen die Erzählweise, die die Stimmung der jeweiligen Zeit perfekt zum Ausdruck gebracht hat. Sehr lebendig und packend mit einem Spannungsbogen, der bis zum Ende anhielt. Ich spürte die Hoffnung, die Verbitterung, die Angst und die Zuneigung, die Verzweiflung und die Zuversicht, die Susanne Abel mit ihren Wörtern und Beschreibungen zu Papier brachte.

Auch die Charakterentwicklung fand ich großartig: glaubwürdig, vielschichtig und mit der ein oder anderen überraschenden Wesensänderung einzelner Figuren. Und selbst den unsympathischen Charakteren konnte ich zumindest so etwas wie Verständnis oder Mitleid entgegenbringen. Kein Mensch wird grausam oder böse geboren, wage ich jetzt mal zu behaupten…

Die historischen Details sind unglaublich gut recherchiert und werden immer wieder mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen in den Vergleich gesetzt; natürlich gut verpackt in einen spannenden Plot.

Was mich aber am meisten berührt hat: Die Geschichte hat mir bewusst gemacht, wie privilegiert ich lebe. Dass ich in einem Land ohne Krieg aufwachsen darf, hat mich mit echter Dankbarkeit zurückgelassen – und mit der Erkenntnis, das ich das öfter wertschätzen sollte.

Es geht noch weiter

In Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie wird die väterliche Seite der Familie Monderath beleuchtet. Zitat der Autorin:

So wie ich mich in ›Stay away from Gretchen‹ einem Herzensthema gewidmet habe, gibt es auch hier einen Grundkonflikt, der mir seit Jahren unter den Nägeln brennt. Aber ich will nicht zu viel

verraten… und hoffe sehr, dass Ihnen auch dieser Roman gefällt. 

Dieser zweite Band ist bereits 2022 erschienen und ist, ebenso wie der erste Band, total an mir vorbeigegangen. Umso glücklicher bin ich, die Reihe doch noch entdeckt zu haben – besser spät, als nie! 

Märzveilchen

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