<< Meine Schwester hatte mir erklärt, dass es nicht normal war, wenn eine Frau in meinem Alter weder einen normalen Beruf hatte noch verheiratet war. >>

 

Autorin Sayaka Murata
Deutsche Erstausgabe 2018
Herausgeber  Aufbau Verlag
Seiten  145
Genre  Gesellschaftsroman, Satire

 

Dieses Buch ist absurd

Absurd ehrlich und knallhart. Es hält der Gesellschaft von heute den Spiegel vor und regt dadurch zum Nachdenken an. Mich hat es das eine oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht und ließ mich mit der Gewissheit zurück, dass „normal“ ist, was glücklich macht.

Essenz in drei Sätzen

Keiko Furukura arbeitet seit 18 Jahren in einem Konbini  (Mini-Supermarkt) und fühlt sich dort sicher und sinnvoll eingebunden. Ihre Art zu denken und zu leben widerspricht gesellschaftlichen Erwartungen, doch sie selbst sieht darin keinen Mangel. Mit trockenem Humor und klarem Blick zeigt der Roman, wie absurd die Normen sein können, die wir für selbstverständlich halten.

Der Fremdkörper

Der Titel „Die Ladenhüterin“ spielt bewusst mit einer Doppeldeutigkeit.
Keiko arbeitet in einem Konbini und ist dort seit Jahren eine zuverlässige Kraft. Doch der Begriff „Ladenhüterin“ steht auch für Frauen, die sich nicht durch Heirat und Kinder in die gesellschaftliche Norm einfügen – so wie Keiko. 

Meine Schwester hatte mir erklärt, dass es nicht normal war, wenn eine Frau in meinem Alter weder einen normalen Beruf hatte noch verheiratet war. 

Dadurch fällt sie auf. Sie „funktioniert“ nicht so, wie der Rest ihrer Umwelt und eckt dadurch ungewollt an. Die Menschen, die sie lieben, möchten sie um jeden Preis integrieren. Sie verstehen Keikos Art zu denken nicht und würden sie gerne von ihrer Andersartigkeit heilen.

Doch ist das wirklich der Sinn einer Gesellschaft?

Warum kann es nicht so bleiben?

Das Buch wirft eine zentrale Frage auf: Warum darf ein Mensch nicht einfach zufrieden sein mit einem Leben, das nicht dem klassischen Erfolgsmodell entspricht? Warum wird eine Frau, die ledig ist und in einem Aushilfsjob arbeitet, als gesellschaftlicher Ballast gesehen – wohingegen Männer sich mehr Freiheiten erlauben können, ohne hinterfragt zu werden?

Der Antwort auf diese Fragen ist Keiko schon ihr ganzes Leben auf der Spur. Immer wieder versucht sie, sich anzupassen, ihre eigene Logik zu übergehen, nur um als „normal“ zu gelten und manchmal verbiegt sie sich so sehr, dass man sich als Leser fragt, ob „normal“ wirklich das Ziel sein sollte.

Kurz, klug, Keiko

Wieder einmal ein Buch aus der Feder einer japanischen Autorin, das mich überzeugt hat. Mit erstaunlicher Präzision gelingt es Sayaka Murata, auf wenigen Seiten die Gedankenwelt ihrer Figur Keiko eindrucksvoll zu entfalten. Die japanische Kunst, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, zeigt sich hier in einem Schreibstil, der ebenso zurückhaltend wie wirkungsvoll ist.

Von mir gibt es also eine klare Leseempfehlung!

Jasmin

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