<< Greifbar war allein das Hier und Jetzt, die Tatsache, dass wir atmeten, dass Mako lächelte und dass die Kirschbäume blühten. >>
| Autorin | Michiko Aoyama |
| Deutsche Erstausgabe | 2024 |
| Herausgeber | Rowohlt Verlag |
| Seiten | 186 |
| Genre | Belletristik, Ikigai-Literatur, Wohlfühlroman |
Seicht, wie ein Bächlein
Ich weiß nicht warum, aber das Lesen von Michiko Aoyamas Büchern fühlt sich für mich immer an, als wäre ich ein Blatt, das auf einem ruhigen Bach dahintreibt – ganz leicht, ganz ungezwungen. Und ehe ich mich versehe, ist die letzte Seite gelesen und lässt mich nachdenklich zurück – im positiven Sinne.
Essenz in drei Sätzen
Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen von Michiko Aoyama erzählt in zwölf lose miteinander verbundenen Episoden von Menschen, deren Lebenswege sich durch kleine Begegnungen und stille Gesten verändern.
Ausgangspunkt ist das Café Marble in Tokio, wo der junge Wataru jeden Donnerstag einer geheimnisvollen Frau heißen Kakao serviert und sich in sie verliebt.
Die Geschichten entfalten sich wie ein farbenfrohes Mosaik über Glück, Hoffnung und das stille Wirken im Leben anderer – oft ohne dass man es selbst bemerkt.
Ein Fluss aus Farben
Der Roman basiert auf einer Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel Zwölf farbige Pastelle, die ursprünglich in der Onlineausgabe des Informationsmagazins Japaralia (eine Verbindung aus „Japan“ und „Australia“) erschienen sind. Das erklärt auch, warum immer wieder Figuren und Handlungsstränge auftauchen, deren Ursprung in Australien liegt.
Jedes der zwölf Kapitel trägt neben einem Haupttitel auch einen Untertitel, der eine Farbe sowie den jeweiligen Schauplatz nennt – entweder Tokio oder Sydney.
Ich frage mich natürlich, welche Farbe wohl meine persönliche „Schicksalsfarbe“ wäre … vermutlich Grün oder Türkis.
Strömungen des Lebens
In den eher kurzen Kapiteln von etwa 10 bis 15 Seiten werden alltägliche, aber auch besondere Momente aus der Perspektive jeweils unterschiedlicher Figuren erzählt. Jede Geschichte widmet sich einer bestimmten Person, deren Gedankenwelt und Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Eine Figur taucht dabei mehrfach auf – eine Art guter Geist, der das Schicksal behutsam in die richtige Richtung zu lenken scheint. Im Buch nennt er sich schlicht „Master“.
Durch seine wiederkehrende Präsenz erhält die Erzählung eine fast magische Note (so viele schicksalhafte Begegnungen kann ich mir dann doch nur mit ein wenig Magie erklären 😄).
Immer wieder blitzen auch spirituelle Gedanken auf, etwa zu Themen wie Wiedergeburt. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache – mich persönlich hat es aber nicht gestört.
Tiefgründig, wie der Ozean
Dieses Buch erzählt davon, wie wir Bindungen eingehen – zu anderen Menschen, zu uns selbst, zur Umwelt und zur Natur. Als wären überall feine, unsichtbare Fäden gespannt, die Organismen, Gefühle und Orte miteinander verbinden. Manche dieser Verbindungen sind stark und belastbar, gewachsen durch Pflege und Aufmerksamkeit – andere hingegen bleiben fragil.
Oft ist es unsere mentale Stärke, unser Vertrauen in uns selbst, das den Ausschlag gibt. Sie entscheidet darüber, welchen Weg wir einschlagen. Ja, das klingt jetzt sehr philosophisch – aber genau das sind Aoyamas Werke auch: eine Einladung zur Selbstreflexion und zur Suche nach dem eigenen Ich. Auch dieses Buch fordert uns auf, unsere Ziele bewusst zu hinterfragen – und gleichzeitig die kleinen, kostbaren Momente im Hier und Jetzt zu würdigen.
Greifbar war allein das Hier und Jetzt, die Tatsache, dass wir atmeten, dass Mako lächelte und dass die Kirschbäume blühten.
Jacaranda
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