<< Nur wenn er denkt, dass sie es nicht bemerkt, sieht er sie mit diesem Blick an, den er immer hat, wenn er nicht einschätzen kann, ob sie Kummer hat oder sich über ihn ärgert. >>

 

Autorin Gisa Klönne
Deutsche Erstausgabe 2026
Herausgeber  Rowohlt Kindler
Seiten  320
Genre  Gegenwartslitertaur, Selbstfindung

 

Manchmal weiß selbst das Herz nicht, was es will

Auch dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar bekommen – und die Autorin war mir vorher komplett unbekannt. Das Thema hat mich aber sofort gepackt, weil in meiner Familie jemand genau dieselbe Herz-OP hinter sich hat.

Essenz in drei Sätzen

Kora und Anselm, seit über zwanzig Jahren verheiratet, geraten nach Koras Herz-OP und ihrem beruflichen sowie persönlichen Stillstand in eine Phase, in der ihr bisheriges gemeinsames Leben ins Wanken gerät. Während Anselm sich auf den Ruhestand freut und versucht, ihren Alltag mit neuen Plänen zu füllen, stürzt Kora sich in eine ungewöhnliche Recherche und beginnt eine Reise zu Menschen und Orten ihrer Vergangenheit. Dabei stellt sie sich die Frage, wer sie einmal war und wer sie noch sein will – und ob ihre Liebe zu Anselm einen neuen Platz in diesem veränderten Selbst finden kann. 

Kaputtes Herz

In dem Buch „Die Liebe, später“ bekommen wir tiefe Einblicke in die Gedankenwelt von Kora (61) , die glücklich verheiratet ist und bislang zufrieden war mit ihrem Leben; und die nun beginnt alles zu hinterfragen.

Das Cover, in Ölfalben gehalten, unterstreicht den Inhalt des Buches gekonnt. Man sieht eine junge Frau im Profil, die sich nach hinten umschaut, als werfe sie einen Blick zurück; zurück in die Vergangenheit. Denn auch darum geht es in diesem Buch: Vergangenes, Bewegendes, Traumatisches aufarbeiten und in Einklang bringen mit dem Ich von Heute. Die Erkenntnis, dass Krisen im Leben mitunter wichtig sind; dass Fehler-machen wichtig ist, um daran zu wachsen, wird in der Geschichte von Kora sehr deutlich.

Unschlüssiges Herz

Der Schreibstil von Gisa Klönne ist ein wahrer poetischer Tanz. Er liest sich wie ein Gedankenstrom; ist nicht starr, sondern springt hin und her. Von Erinnerung zu Erinnerung, ein Spiel aus Fragen und Antworten an das Selbst. Die Stimmung des Buches ist dadurch sehr tiefsinnig und mitunter auch schwermütig. An mancher Stelle ist sie mir fast jedoch fast etwas zu schwermütig, gar melancholisch.

Denn immer wieder wird deutlich, was Kora alles hat:  Welche Privilegien, welche Freiheiten, welche Möglichkeiten. Und vor allem: sie lebt! Als Leserin, mit nur halb so viel Lebenserfahrung kann und möchte ich mir natürlich nicht anmaßen, zu verstehen, was in einem Menschen vorgeht, der erlebt – und überlebt – hat, was die Hauptperson bereits durchgemacht hat. Das führte aber auch dazu, dass ich nicht 100%ig warm geworden bin mit Kora. Ihr Mann, Amseln, wirkte auf mich in mancher Hinsicht authentischer

Nur wenn er denkt, dass sie es nicht bemerkt, sieht er sie mit diesem Blick an, den er immer hat, wenn er nicht einschätzen kann, ob sie Kummer hat oder sich über ihn ärgert.

Heilendes Herz

Nichtsdestotrotz hat mir das Buch gut gefallen – schon allein wegen des interessanten Schreibstils.

Es ist ein „leises“ Buch, das sich viel in der Gedankenwelt von der Hauptperson Kora bewegte, aber auch eine schöne Liebeserklärung an das Leben mit all seinen Verzweigungen und Irrwegen darstellt. 

Geranien

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