<< Ja, natürlich sind die inneren Werte wichtiger, aber solange die Gesellschaft weiterhin nach äußeren beurteilt, nützt diese Erkenntnis nichts und bleibt eine hohle Phrase. >>

 

Autorin Betty Boras
Deutsche Erstausgabe 2026
Herausgeber  hanserblau
Seiten  240
Genre  Roman, Historisch

 

Wunderschön

Dieses Buch ist wundervoll geschrieben, sehr lyrisch und ausdrucksstark. Es handelt sich auch hier wieder um ein Debüt. Betty Boras hat – wie ich finde – unglaubliches Talent zum Schreiben und ich bin sehr froh, dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten zu haben.

Essenz in drei Sätzen

Vio flieht nach dem Sturz der Diktatur mit ihrer Familie aus dem Banat nach Deutschland und versucht, durch Anpassung, Fleiß und Schönheit ihren Platz in der neuen Gesellschaft zu finden. Jahre später bringen die Narben ihrer Tochter sie an die Grenzen ihrer Selbstvorwürfe. Parallel dazu zeigt die Geschichte von Theresia im 18. Jahrhundert, wie Frauen für ihre Begehrtheit bestraft wurden, und verbindet beide Schicksale über die gemeinsame Banater Herkunft aus Schmerz und Schönheit.

 

Wiege

Im Zentrum steht die Mutterschaft. Mutter Erde, die uns Land schenkt, um darauf zu leben. Mutter Natur, die uns Bäume schenkt, aus deren Blättern wir Tee brühen und in deren Schatten wir uns ausruhen können. Und natürlich die Verbindung einer Mutter zu ihrem Kind.

In diesem Buch ging es vorrangig um die Verbindung von Mutter und Tochter; erzählt über mehrere Generationen. Zu Beginn des Lesens hatte ich daher etwas Schwierigkeiten nicht den Überblick zu verlieren ob der vielen weiblichen Vornamen und der zeitlichen Zuordnung. Vio, Rosalia, Theresia, Margarethe – und dann gab es noch das „Ich“ das in der Gegenwart spielte, bei dem es sich auch um Vio handelte.

Worte

Betty Boras hat mir ihrem Roman, der durchaus biografische Züge hat, denn auch sie stammt aus Rumänien und arbeitet in Deutschland als Lehrerin, ein wunderbares Erstlingswerk geschaffen. Dass die deutsche Sprache nicht ihre Muttersprache ist, hat mich daher sehr überrascht – denn der Schreibstil ist wahnsinnig flüssig und poetisch.

Wurzeln

Wie schon erwähnt, war das Thema der Mutterschaft ein Zentrales – und auch wenn ich mich nur bedingt damit identifizieren kann (ich selbst habe kein Kind geboren), so hat auch mich die Emotionalität der Geschichte gepackt und vor allem der historischen Kontext und der Bezug zur Banat war sehr interessant, denn nur wenige Bücher spielen in diesen geografischen Gefilden.  Ach, was rede ich – um ehrlich zu sein, habe ich vorher noch nie von der Banater Erde gehört 😀 !

Als Fan von Geschichten vergangener Zeiten hätte ich mir von den kultur-historischen Erzählungen noch mehr gewünscht. Trotzdem kann ich das Buch sehr empfehlen und bin gespannt, ob Betty Boras an ihr Debütwerk anknüpft.

Linde

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