<<Beim Anblick des Schmetterlings musste ich an Untergang und Verderben denken, aber ich hatte auch das Gefühl unendlicher Freude. >>

 

Autorin Lea Korsgaard
Deutsche Erstausgabe 2026
Herausgeber  Ullstein Verlag
Seiten  329
Genre  Gegenwartsliteratur, Klimawandel, Natur

 

Zwischen Schmetterlingen und Sinnfragen

Manche Bücher öffnen keinen neuen Plot, sondern einen neuen Blick – in diesem Fall auf die Natur. Das Jahr der Schmetterlinge von Lea Korsgaard ist genau so eine stille, aber auch anspruchsvolle Lektüre.

Essenz in drei Sätzen

Lea Korsgaard fasst am ersten Tag des Jahres den Entschluss, innerhalb eines Jahres alle heimischen Schmetterlingsarten zu sehen, obwohl sie nichts über sie weiß und nur einem inneren Ruf folgt. Ihre Suche führt sie durch unerwartete, vom Meer geprägte Landschaften und zu verborgenen Orten. Mit wachsendem Wissen über Schmetterlinge stößt sie zunehmend auf grundlegende philosophische Fragen nach dem Sinn und Zweck des Lebens.

Ambitioniert

Dieses Buch war einmal etwas ganz anderes. Ich habe meine Vorablesen-Punkte dafür eingelöst – und es zu keiner Sekunde bereut, auch wenn ich anfangs einige Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte hineinzufinden. Das Jahr der Schmetterlinge ist unglaublich gut recherchiert, was nicht zuletzt die lange Literaturliste auf den letzten Seiten eindrucksvoll belegt. 

Anschaulich

Und ja: Es geht tatsächlich um Schmetterlinge. Das mag zunächst wenig überraschen, doch die Autorin beschreibt mit bemerkenswerter Detailtiefe, wie sie sich – ganz ohne Vorkenntnisse – auf die Reise begibt, alle 64 in Dänemark vorkommenden Schmetterlingsarten zu fotografieren. Dieser Prozess ist ebenso lehrreich wie faszinierend, und die schönen Illustrationen der Schmetterlinge mit jeweiligem Namen daneben werten das Buch noch mehr auf.

Anspruchsvoll

Ich muss allerdings gestehen, dass ich das Buch zwischendurch immer wieder aus der Hand legen musste, weil mir schlicht der Kopf schwirrte. Begriffe wie Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter begegnen einem schließlich nicht alle Tage, und die Lektüre verlangte deutlich mehr Konzentration als viele andere Bücher. Dies ist definitiv keine leichte Kost. Neben den naturwissenschaftlichen Ausführungen enthält das Buch zahlreiche tiefsinnige Gedanken, historische Rückblicke und viele theologische Bezüge. Gerade Letztere – insbesondere die „göttlichen“ Verweise – empfand ich stellenweise als etwas ermüdend.

Aufrüttelnd

Doch je näher ich dem Ende kam, desto klarer wurde die eigentliche Botschaft, die mich schließlich sehr berührt hat: Die Natur ist eines der größten Wunder dieser Welt – und es liegt an uns, sie zu bewahren.
Als leidenschaftliche Naturliebhaberin und Gärtnerin hat mir dieses Buch in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Wenn eine Lektüre zum Nachdenken anregt und vielleicht sogar ein Umdenken bewirkt, ist das ein großes Kompliment – in diesem Fall ganz eindeutig an Lea Korsgaard.

Brandkraut

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