<< Es ist ein langer Weg, bis Frauen alles dürfen, was Männer tun, und niemand mehr ein Wort darüber verliert. Wir müssen Geduld haben.>>

 

Autorin Lena Johannson
Deutsche Erstausgabe 2025
Herausgeber  Aufbau Verlage
Seiten  381
Genre  Belletristik, Historischer Roman

 

Das (blasse) Portrait einer Pionierin

Die Story war okay, bei den Figuren fehlte es mir mitunter an Tiefe. Aber der historische Kontext? Interessant und lehrreich – besonders zur Rolle der Frau im Sport.

Essenz in drei Sätzen

Paris, 1918: Die leidenschaftliche Schwimmerin Alice Milliat kämpft gegen gesellschaftliche Widerstände und die Missachtung weiblicher Leistung im Sport. Trotz persönlicher Verluste und innerer Zweifel gründet sie einen Frauensportverband mit dem Ziel, die Olympischen Spiele für Frauen zu öffnen. Als ihre Hoffnung zu schwinden droht, erhält sie unerwartete Unterstützung – und beginnt, Geschichte zu schreiben.

Das Cover

Das Cover gefällt mir gut. Im Vordergrund stehen vier junge Frauen mit schwarzen Badeanzügen sprungbereit an der Kante des Schwimmbeckens – und zugleich auch an der Kante des Buches. Sie strahlen Willensstärke und positive Energie aus und scheinen motiviert zu sein, sich gleich ins kühle Nass zu stürzen (oder in die ersten Seiten des Romans;-). Da die Hauptperson des Buches ebenfalls passionierte Schwimmerin war, ist das Cover thematisch passend.

Die Person

Alice Milliat wurde 1884 in Nantes geboren. Im Roman begleiten wir sie vom 12. bis zum 38. Lebensjahr – eine Zeit voller Herausforderungen, Verluste und mutiger Entscheidungen. Ihr Charakter ist geprägt von beeindruckender Willensstärke und einem unbeirrbaren Einsatz für die Gleichberechtigung im Sport. Der Roman beleuchtet, wie und warum sie sich dafür engagierte, dass auch Frauen Leistungssport betreiben dürfen – unter anderem durch die Gründung eines eigenen Frauensportverbands.

Der historische Kontext

Dieses Buch widmet sich einem interessanten Kapitel der Geschichte der Frauen – nämlich der Austragung der Ersten Olympischen Frauenspielen 1922 in Paris.

Es ist ein langer Weg, bis Frauen alles dürfen, was Männer tun, und niemand mehr ein Wort darüber verliert. Wir müssen Geduld haben.

Durch die historischen Rückblicke ins frühe 20. Jahrhundert wird schnell deutlich, wie ungerecht und vorsintflutlich die gesellschaftlichen Ansichten in Bezug auf „weibliche Leibesertüchtigung“ in Europa damals waren.
Die Darstellung des geschichtlichen Hintergrunds ist es auch, die mich am meisten überzeugte.

Das Fazit

Der Schreibstil von Lena Johannson ist sehr flüssig und angenehm; das Buch las sich in wenigen Stunden. Dennoch bin ich mit dem Hauptcharakter – Alice Milliat – nicht so recht warm geworden. Wie es scheint war sie ein sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch, und so handelte ein Großteil des Buches von ihren Arbeitsschritten; von ihrem Fleiß und Durchhaltevermögen. Manchmal wirkt sie fast übermenschlich – damit konnte ich mich nur schwer identifizieren.

Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, auch solchen geschichtlichen Meilensteinen- die ganz klar zu den *Sternstunden der Frauen* gehören, eine Bühne zu geben. Das ist der Autorin gelungen.

Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt.

Rose

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