<< Einhundertsiebenundzwanzig. So viele Leben hatte ich über die Jahre gegen einen vollen Magen eingetauscht. Heute sollten es hundertachtundzwanzig werden. >>
| Autorin | Brooke Fast |
| Deutsche Erstausgabe | 2025 |
| Herausgeber | Bramble Verlag |
| Seiten | 448 |
| Genre | Dystopie, Romantasy |
Die neuen Hunger Games?
Band 1 einer dystopischen Fantasy-Romance über die Kopfgeldjägerin Raven. Schon wieder ein Debütroman (!?), der durchaus Potential hat – mir jedoch in mancher Hinsicht zu viele Parallelen zu Suzanne Collins‘ Tribute von Panem aufweist.
Essenz in drei Sätzen
Tolles Design
Beginnen wir mit dem Positiven: der Covergestaltung. Hier hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Die drei Ringe als Wahrzeichen von Dividium; der Stacheldraht, der symbolisch für das Gefängnis steht, in dem die Handlung spielt, und die Silhouetten der flügelschlagenden Vögel – all das greift zentrale Elemente des Romans auf und verbindet sie zu einem starken visuellen Konzept.
Auch farblich überzeugt das Cover: Das kräftige Rot steht in spannendem Kontrast zum Weiß und harmoniert wunderbar mit den goldenen Akzenten. Für mich ein absolut gelungener Blickfang, der sofort neugierig macht.
Ich bin daher sehr gespannt, wie der zweite Band gestaltet sein wird. To Unleash a Darker Vate soll voraussichtlich 2027 erscheinen.
Gut geschrieben ...
Nun aber ein paar Worte zum Schreibstil. Dieser war angenehm flüssig und spannend aufgebaut; besonders der Einstieg hat mich sofort neugierig gemacht. Ich war schnell in der Geschichte drin und wollte unbedingt erfahren, was es mit dieser dystopischen Welt und der kompromisslosen Kopfgeldjägerin auf sich hat.
Warum das Buch zusätzlich dem Fantasy‑Genre zugeordnet wird, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. Dystopie – ja. Aber wirklich fantastische Elemente, die über die Realität hinausgehen, konnte ich kaum entdecken. Das ist letztlich jedoch Haarspalterei und für die Bewertung vermutlich nicht entscheidend. 😉
...aber
Die Geschichte legte, wie bereits erwähnt, einen wirklich starken Start hin. Auch die Figuren entwickelten sich weiter: Sie wuchsen an ihren Herausforderungen, und so mancher verborgene Charakterzug trat erst nach und nach zutage. Dadurch wirkten sie angenehm vielschichtig.
Trotzdem fehlten mir im Verlauf überraschende Wendungen – ich mag es, wenn eine Handlung mich ab und zu aus der Bahn wirft. Hier blieben die Rollen sehr klar verteilt: Die Guten waren gut, die Bösen waren böse. Ein paar zusätzliche Zwischentöne jenseits von „Schwarz und Weiß“ hätten der Figurenwelt definitiv gutgetan. Das war mein erstes „Aber“.
Mein zweites „Aber“ betrifft die deutlichen Parallelen zu Suzanne Collins’ Die Tribute von Panem. Schon der Titel To Cage a Wild Bird verweist auf einen ungezähmten Freigeist – wie die Protagonistin Raven –, der gefangen wird und sich seinen Weg in die Freiheit erkämpfen muss. Auch Katniss trug als Spottdrossel eine starke Vogelsymbolik, und auch sie musste tödliche Spiele überstehen, die allein zur Unterhaltung und Profitgier der Reichen inszeniert wurden.
Kleines Vögelchen in Flammen
Die Liebesgeschichte zwischen Raven und Vale war in Ordnung, wenn auch nicht gerade überraschend. Es war recht früh klar, wohin die Reise führt. Dazu kamen ein paar erotische Szenen – ob es die wirklich gebraucht hätte, sei dahingestellt, aber scheinbar geht’s heutzutage kaum noch ohne ein bisschen Spice haha.
Und auch wenn ich den Vergleich zu den Panem-Büchern hier nochmals aufgreife: Dort gab es keinerlei Szenen dieser Art. Die Spannung lebte vollkommen von Handlung und Atmosphäre, und die zarte Beziehung zwischen Katniss und Peeta wirkte gerade deshalb so intensiv – ganz ohne pikante Momente.
Hafer
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