<< In zwanzig Jahren wird es hier aussehen wie in Saudi-Arabien. Und die Autohändler werden Kamele verkaufen. >>
| Autor | T.C. Boyle |
| Deutsche Erstausgabe | 2023 |
| Herausgeber | Carl Hanser Verlag |
| Seiten | 399 |
| Genre | Dystopie, Ökothriller, Gesellschaftsroman |
Weltuntergangsstimmung trifft auf Satire
Ich mochte dieses Buch. Es war spannend, stellenweise absurd, es bot grauenvolle Momente und gefühlvolle Szenen. Dies war mein erster Roman von T.C. Boyle – und es wird nicht der Letzte gewesen sein.
Essenz in drei Sätzen
Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft, in der der Klimawandel das Leben der Menschen massiv beeinflusst – mit Überschwemmungen, Waldbränden, Insektenplagen und anderen Naturkatastrophen.
Boyle nimmt die amerikanische Konsumgesellschaft und ihre Reaktionen auf Umweltkrisen mit scharfem Witz und Ironie aufs Korn. Im Zentrum der Geschichte steht eine Familie, deren Mitglieder auf sehr unterschiedliche Weise mit der ökologischen und sozialen Realität umgehen.
Springfluten und Canapés
Der Titel BLUE SKIES klingt erstmal harmlos – fast wie ein Wohlfühlroman mit Cocktail-Schirmchen. Doch spätestens beim Blick auf das Cover, wo eine Palme lichterloh brennt, wird klar: Hier geht’s nicht um Caipirinhas am Pool.
Der Klimawandel zeigt seine Zähne; das Ökosystem ist aus dem Gleichgewicht. Und während die einen mit Wasserrationierungen zu kämpfen haben, werden anderswo die Küstenstädte geflutet.
Und mittendrin: der Mensch.
Mit all seinen Widersprüchen, Sehnsüchten und Routinen. Da ist eine Mutter, die ihre Kinder beschützen will. Eine junge Frau, die sich nach Sichtbarkeit als Influencerin sehnt. Es wird gefeiert, getrauert, geliebt und gestritten. Auch bei 45 Grad im Schatten.
Der Mensch bleibt Mensch (jetzt hat sich Grönemeyer irgendwie in diese Rezension geschlichen) und schafft es in jeden noch so absurden Alltag Normalität zu bringen.
Wenn Fiktion zur Mahnung wird
Diese Menschlichkeit in den Zügen der Charaktere (ja, es wurden und werden Fehler gemacht, sonst wäre die Welt nicht dem Untergang geweiht) macht die Geschichte authentisch und nahbar.
In zwanzig Jahren wird es hier aussehen wie in Saudi-Arabien. Und die Autohändler werden Kamele verkaufen.
Die dystopischen Umstände wirken daher auf mich nicht wie ferne Fiktion, sondern wie eine mögliche Realität. Gerade weil die Parallelen zu unserer Welt so erschreckend deutlich sind, wünscht man sich beim Lesen sehnlichst, es möge doch bitte, bitte gut ausgehen!
Im Abgang ein Hauch von Heuschrecke
Was mir auffiel: In dieser Geschichte wird erstaunlich viel Alkohol konsumiert. Was sagt uns das? Offenbar bleibt der Mensch selbst in einer Welt am Abgrund dem edlen Tropfen treu – ein guter Wein gehört eben zum Untergang dazu, so scheint es.
Obgleich der Schreibstil und manche Situationen einer gewissen Komik nicht entbehren, so schwebte doch ein kontinuierlicher Schleier des Unbehagens über der Story. Beim Lesen begleitete mich ständig das Gefühl, dass das noch nicht alles ist – dass etwas Schlimmes bevorsteht. Es wirkte wie die Ruhe vor dem Sturm. Das war sicherlich so gewollt, immerhin ist das Grundthema – der Klimawandel – ja ein bedrohliches Szenario! Diese Spannung machte es mir unmöglich das Buch aus der Hand zu legen. Am Ende bleibt die Frage: Könnte ich wirklich frittierte Heuschrecken und Mehlwurmkekse essen…?
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